Kunstsammlung Heinrich - "Bild" des Monats
Hans Scheib, Totentanz – Fürst, Bauer, Bürger, Husar, 1999 und 1994, Holz mit Farbe




Hans Scheib ist ein Künstler, der Schönheit sucht und schafft, sich jedoch auch für den Zustand der Welt mitverantwortlich fühlt. Mit seinen Figuren des Husaren, des Bürgers, des Bauern und des Fürsten tritt der Tod in den Raum. Es sind vor allem die Lebendigkeit der Materialgestaltung, das Geistesgegenwärtige, der Witz, denen Scheibs figürliches Konzept seine Präsenz verdankt, weil er damit den Horror des vermeintlichen Paradieses so anschaulich macht.
Der Mensch kommt und er geht. Dass Menschen sterben, egal woran, ist ein Naturgesetz. Scheibs Holzplastiken gemahnen uns, dass wir alle sterblich sind auf dieser Erde – erst recht dort, wo es am schönsten ist, wie wir von Goethe wissen –, und dass es irdisches Glück und ein irdisches Elysium ohne die Anwesenheit des Todes nicht gibt. Wir sind mit dem Tod geboren. Die Kunst ist dafür da, daran zu erinnern, dass wir den Tod nicht abschaffen können.
Angeregt durch mittelalterliche Totentanzdarstellungen, spielt Scheib das Bedrohliche des Todes allerdings herunter. In heiterer Gelassenheit, vielleicht sogar mit einem ironischen Bedauern drängt sich der gewöhnlich gewordene Tod in ganz gewöhnliche Bildwerke. Wie lange braucht man, um zu spüren, dass der Tod kommt, wenn man nicht mit ihm rechnet, fragt sich der Betrachtende. Denn wie Scheib es schafft, mittels Holz und Farbe formulierend gegen den Tod anzutreten und in minutiösen Arbeitsschritten Augenblick für Augenblick am Leben zu bleiben, das ist Kunst.
Wir fühlen uns nicht abgestoßen von diesen alltäglichen Figurendarstellungen. Sie verhüllen nicht die Tragik des Lebens, sondern leben davon. Sie künden vom Unausweichlichen. Tod ist Ausweglosigkeit und Verderben. Mit Gefasstheit gelingt es dem Künstler, dafür eine emotionale Entsprechung zu finden.
(Text: Christoph Tannert / Fotos: Eric Tschernow)
In Gedenken an Hans Scheib, der am 10. April 2026 in Berlin verstorben ist.
